Ausgabe Februar 2010

Goethes Liebe zum Islam

Manchmal möchte man der Geschichte an bestimmten Punkten die Frage vorlegen: „Was wäre gewesen, wenn..?“ In diesem Falle: Was wäre aus Deutschland geworden, wenn wir im 19. Jahrhundert auf Goethe gehört, seine weltbürgerlichen Toleranzbotschaften gelesen, ernst genommen und zur Richtschnur des Politischen zwischen Weltbürgertum und Nationalstaat genommen hätten? Oder ganz aktuell: Was würde sich an der zukünftigen Geschichte der Schweiz ändern, wenn ihre über den Bau von Minaretten abstimmenden und sich dabei fremden- und islamfeindlich positionierenden Bürgerinnen und Bürger von ihrer und unserer Ikone Johann Wolfgang von Goethe als selbsterklärtem Muslim wüssten?

Der war am 25. Juli 1814 – Napoleon hatte abgedankt, der Frieden von Paris war geschlossen, ein Aufatmen ging durch die deutschen Lande – zu Freunden an Rhein und Main aufgebrochen, hatte als Reiselektüre die soeben übersetzten „sämmtlichen Gedichte des Hafis“ (gest. 1389) mitgenommen, die ihm sein Verleger Cotta im Mai geschenkt hatte. Diese Begegnung mit altpersischer Dichtung veränderte die Perspektive dieser Reise, machte aus ihr eine Orientreise zur „Gewältigung“ der jüngsten kriegerischen Vergangenheit; sie führte zur Entdeckung einer heilenden Gegenwelt im „Lande des Glaubens, der Offenbarungen, Weissagungen und Verheißungen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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