Ausgabe Februar 2010

Bildungsstreik: Fortsetzung folgt

„Wessen Uni? Unsere Uni!“ Mit diesem Slogan erreichte der Bildungsstreik 2009 im Herbst seinen Höhepunkt. Bereits im Juni hatten an einem europaweiten Aktionstag fast 300.000 Menschen auf der Straße gegen den Bologna-Prozess, Studiengebühren, Schulzeitverkürzungen und das gegliederte Schulsystem demonstriert.[1] Im Herbst gingen die Studentinnen und Studenten dann zu radikaleren Methoden über. Ausgehend von der Besetzung des Audimax der Universität Wien eigneten sie sich rasch auch in vielen anderen europäischen Städten zentrale Hochschulgebäude an. Das übergeordnete Ziel der Aktionen bestand darin, gegen die herrschende Bildungspolitik zu protestieren und sich einen Raum zur kritischen Auseinandersetzung mit den aktuellen Bildungs-„Reformen“ zu schaffen.

In der breiten öffentlichen Diskussion über den Bildungsstreik wurde besonders die seit Jahrzehnten bestehende chronische Unterfinanzierung der Hochschulen und die mangelnde Umsetzung des Bologna-Prozesses in den Mittelpunkt gerückt. Hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Bildungsstreik im Juni noch als „gestrig“ bezeichnet, stellte sie sich im Herbst als wohlmeinende Unterstützerin der Studierenden dar und kündigte eine Erhöhung des BAföG und einen Bologna-Gipfel für April 2010 an.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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