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Freie Forschung für freie Liebe

Magnus Hirschfeld und das Institut für Sexualwissenschaft

von Henrik Rubner und Kai Gehring

Es war zweifellos Stadtgespräch in der Reichshauptstadt, als Magnus Hirschfeld am 6. Juli 1919 in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft eröffnete. Der umtriebige Arzt hatte bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht, trat als gefragter Sachverständiger auf und sorgte immer wieder durch politische Einmischung für Aufsehen. Hirschfeld wurde in Liedern besungen, sein Gesicht kannte man von Karikaturen, und gerade die extreme Rechte machte Stimmung gegen den jüdischen Wissenschaftler. Das lag auch daran, dass der „Einstein des Sex“ niemals nur Wissenschaftler, sondern immer auch Aktivist war. Dabei setzte er sich insbesondere für die Entkriminalisierung von Homosexualität, aber auch für die Selbstbestimmung von transgeschlechtlichen Personen, die Gleichstellung der Geschlechter und reproduktive Rechte insgesamt ein. Darum gilt Hirschfeld – den Sigmund Freud als „liebenswürdige(n) Kollegen in Folge seiner gut sublimierten Homosexualität“[1] bezeichnete – heute als zentrale Figur der ersten Homosexuellenbewegung. Auch 100 Jahre nach der Gründung des weltweit ersten Forschungsinstituts für Sexualwissenschaft, das zugleich die Zentrale für Hirschfelds politische Tätigkeit wurde, bleibt das Verhältnis von Wissenschaft und queerem[2] Aktivismus spannungsgeladen. Wie unbequem diese Verbindung immer noch ist, zeigt die zunehmende wissenschaftsfeindliche Agitation in zahlreichen europäischen Ländern.

Es ist kein Zufall, dass sich der 100. Gründungstag des Instituts für Sexualwissenschaft in eine Reihe anderer Jahrestage einfügt: das Ende der Monarchie und die Ausrufung der Republik, die Einführung des Frauenwahlrechts, die weitgehende Abschaffung der Zensur oder die Gründung des Bauhauses. All diese Stationen stehen für die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Weimarer Republik zum „demokratischen Laboratorium“,[3] dessen Freiheiten viele in Berlin ganz besonders lebten. Gleichzeitig bestanden aber viele Einschränkungen der persönlichen Freiheit aus der Kaiserzeit fort und das Strafgesetzbuch kriminalisierte Abtreibungen (sowie ärztliches „Werben“ dafür) in den Paragraphen 218ff. ebenso wie gleichgeschlechtlichen Sex zwischen Männern im Paragraph 175. Nichtsdestotrotz zog Berlin Lesben, Schwule, Transpersonen und viele andere, die sich heute vielleicht als queer bezeichnen würden, aus dem deutschsprachigen Raum und weit darüber hinaus an. Die rauschenden Kostümbälle für das homosexuelle Publikum im noblen Westen der Stadt waren ebenso Publikumsmagneten wie die einfachen Schwulenbars der Arbeiterbezirke, in denen der englische Schriftsteller Christopher Isherwood seine Liebhaber kennenlernte.[4] Während Isherwood das Leben in der Hauptstadt in seinen Romanen festhielt, malte Otto Dix die Gäste des wohl bekanntesten Szenelokals Eldorado oder die bisexuelle Star- und Skandaltänzerin Anita Berber. In dieser Stadt war auch Magnus Hirschfeld bei der Eröffnung seines Instituts längst eine Institution.

Der am 14. Mai 1868 in Kołobrzeg (damals: Colberg) geborene Hirschfeld kam 1891 im Rahmen seines Medizinstudiums nach Berlin und hatte ab 1896 eine eigene Praxis in Charlottenburg. Bereits in seiner ersten Veröffentlichung zur gleichgeschlechtlichen Liebe, „Sappho und Sokrates“,prangert er (noch unter Pseudonym) deren Kriminalisierung an. Sein Engagement begründete Hirschfeld mit seiner Tätigkeit als Arzt, durch die er mit vielen dramatischen Schicksalen vertraut war, die nicht selten im Selbstmord endeten. Ebenfalls in „Sappho und Sokrates“ entwarf er seine „Theorie der sexuellen Zwischenstufen“, die eine nahezu „unermeßliche Mannigfaltigkeit der Geschlechtsneigungen“[5] postuliert.

Diese Lehre wird Hirschfeld in den kommenden Jahren weiter ausdifferenzieren und überarbeiten, doch der Kern bleibt derselbe: Er betrachtet sowohl das sexuelle Begehren wie auch die Geschlechtsidentität (zwei Kategorien, die Hirschfeld analytisch zusammenfasst) als biologisch höchst individuell determiniert und angeboren. Dabei stützt er sich auf die Arbeiten früher Sexualwissenschaftler oder des Juristen Karl Heinrich Ulrichs, einem Vorkämpfer für die Rechte Homosexueller, noch bevor der Begriff überhaupt existierte. Doch die empirische Grundlage seiner Wissenschaft sammelt Hirschfeld größtenteils selbst – durch seine Tätigkeit als Arzt und Therapeut, auf seinen Reisen oder durch groß angelegte Umfragen. Bereits im Alter von 29 Jahren gründet Hirschfeld mit drei Kollegen das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) und damit die erste bekannte Organisation für die Gleichberechtigung Homosexueller. Ihr ambitioniertes Motto „Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“ verdeutlicht ihr Arbeitsverständnis: auf Grundlage wissenschaftlicher Forschung gegen Diskriminierung und Strafverfolgung zu kämpfen.

Um die breite Öffentlichkeit zu erreichen, nutzt Hirschfeld Flugschriften, Vorträge, Ausstellungen und sogar das neue Medium Film. Im Jahr 1898 initiiert das WhK eine Petition zur Abschaffung des Paragraphen 175; zu den rund 2 000 Unterstützer*innen gehören auch Frank Wedekind, Rainer Maria Rilke und Heinrich Mann.[6] Hirschfelds Studienbekanntschaft und SPD-Genosse August Bebel hält die Einbringungsrede im Reichstag, doch die Petition bleibt letztendlich ebenso erfolglos wie Hirschfelds andere Initiativen zur Abschaffung des Paragraphen (der dann 1935 von den Nazis noch einmal massiv verschärft wurde). Gemeinsam mit Helene Stöcker gelingt es aber 1909, die Ausweitung der Strafbarkeit auf lesbischen Sex zu verhindern, und im selben Jahr kann Hirschfeld bei der Polizei die Ausstellung sogenannter Transvestitenscheine[7] durchsetzen, mit denen transgeschlechtlichen Personen übergriffige polizeiliche Kontrollen möglichst erspart bleiben sollten.

Mit der Gründung seines Forschungsinstituts konnte Hirschfeld sowohl seine medizinisch-wissenschaftliche als auch seine politische Arbeit intensivieren. Allein im ersten Jahr besuchten rund 3500 Patient*innen die Villa am Tiergarten, etwa ein Drittel davon homosexuell, trans- oder intergeschlechtlich. Der Rest waren heterosexuelle Personen auf der Suche nach Sexual- oder Paarberatung.[8] Neben der medizinischen Arbeit diente das Institut zugleich als Veranstaltungsort, Museum, Bibliothek, Archiv und Verlagsort für Fach- und Szenezeitschriften sowie als Anziehungspunkt namhafter Gäste wie den Schriftstellern Isherwood und André Gide, dem Kommunisten Willy Münzenberg oder der dänischen Malerin Lili Elbe.

Die Offenheit des Hirschfeld-Instituts für alle Menschen, ganz egal, wo sie sich auf dem Kontinuum der „sexuellen Zwischenstufen“ wiederfanden, war damals alles andere als selbstverständlich. So hatte beispielsweise der Maskulinist Adolf Brand wenig übrig für Transpersonen, die lesbischen „kessen Väter“ oder schrille Tunten, die bei „Tante Magnesia“ (wie Hirschfelds Kosename in der Szene lautete) ein und aus gingen. Brands Aktivismus drehte sich allein um die stattlichen homosexuellen Männer, in denen er eine besondere kreative Stärke sehen wollte, die es zum Wohle der Nation zu nutzen galt. Wenn also heute manche Homosexuelle wie David Berger, Alice Weidel oder Milo Yiannopoulos die Nähe zur extremen Rechten suchen, handelt es sich dabei keineswegs um ein neues Phänomen.[9]

Wissenschaft als Instrument emanzipatorischer Politik

Doch inwiefern eignet sich Magnus Hirschfelds wissenschaftliche Herangehensweise heutzutage für eine emanzipatorische Politik? Ist es zielführend, Forderungen nach Gleichberechtigung und Antidiskriminierung auf ein biologisch-essentialistisches Fundament zu stellen, so wie Hirschfeld es immer wieder tat? Spielt man mit der Überbetonung der Ursachen von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit nicht den Predigern einer vermeintlichen Heilung in die Hände? Hier ist die historische Kontextualisierung von Hirschfelds Arbeit wichtig.[10] Denn mindestens seit dem Spätmittelalter wurde Homosexualität stets auf religiös-moralischer Grundlage als Sünde oder rassistisch als Bestandteil vermeintlich fremder, lasterhafter Kulturen verdammt und kriminalisiert. Es ist also nachvollziehbar, dass Hirschfeld diese irrationalen Positionen durch eine dezidiert biologisch-wissenschaftliche Argumentation entkräften wollte (und sich dabei übrigens auch nie als persönlich betroffen outete). Dieser „strategische Essentialismus“[11] überzeugte viele seiner Zeitgenoss*innen in Wissenschaft und Politik. „Born this way“ lautet auch heute ein vergleichbarer Slogan von Aktivist*innen, die gegen religiöse Fundamentalismen und moralisierende Bigotterie kämpfen.

Emanzipatorische Politik fußt aber (selbst wenn es unausgesprochen bleibt) immer auf der Würde, die allen Menschen gleich und unteilbar zukommt. Und dafür ist es nachrangig, ob das sexuelle Begehren oder die Geschlechtsidentität biologisch determiniert, durch Gesellschaftsstrukturen sozialisiert oder (mehr oder weniger unabhängig von diesen Faktoren) frei gewählt wäre.

Darum gilt ganz unabhängig von einer wissenschaftlichen Untermauerung: Die Stonewall Riots gegen Polizeirepression in der New Yorker Christopher Street vor 50 Jahren – an die heute mit den Christopher Street Days erinnert wird – waren richtig. Das jahrzehntelange Berufsverbot für homosexuelle Lehrkräfte in der Bundesrepublik war eine Schande. Der Sorgerechtsentzug für lesbische Mütter bis in die 1990er Jahre war Unrecht. Der Kampf für die Öffnung der Ehe in den USA, Irland, Deutschland, Taiwan und unzähligen anderen Staaten war ein Gebot der Gleichberechtigung – nicht der Forschung. Und die Verfolgung von Lesben, Schwulen sowie trans- und intergeschlechtlichen Personen ist ein Verbrechen, und kein wissenschaftlicher Befund kann diese Aussage mehr oder weniger wahr machen. Vielleicht wollte auch Hirschfeld verdeutlichen, dass das Fundament seiner wissenschaftsgeleiten Politik eine normativ gesetzte Wahrheit ist, als das WhK 1921 sein Motto änderte: „Durch Wahrheit zur Gerechtigkeit“ hieß es fortan.[12] Das klingt zwar nicht weniger pathetisch, verdeutlicht aber, dass Wissenschaft allein keine Antworten auf Fragen von Gerechtigkeit geben, sondern immer nur ein Instrument auf dem Weg dorthin sein kann.

Damit wollen wir keinesfalls sagen, dass wissenschaftliche Forschung eine vernachlässigbare Rolle für emanzipatorische Politik spielt. Hirschfelds Arbeit ist nur eines von zahlreichen Beispielen für das komplexe und oft fruchtbare Zusammenspiel von Wissenschaft und Aktivismus. So erinnern sich noch heute viele Schwule an die erste wissenschaftliche Studie zum homosexuellen Leben in der Bundesrepublik von Martin Dannecker und Reimut Reiche, mit der gleichgeschlechtlicher Sex 1974 wieder ohne erhobenen Zeigefinger in die Buchläden zurückkehrte.[13] Ähnlich wie Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“, an dem Dannecker beteiligt war, hatte die präzise soziologische Analyse der Lebenssituation homosexueller Männer in der Bundesrepublik und die durchaus selbstkritische Analyse ihrer politischen (In-)Aktivität entscheidenden Einfluss auf die Entstehung der zweiten Homosexuellenbewegung (oder besser: ersten radikalen Schwulenbewegung) in Deutschland.

Geprägt von marxistischen und feministischen Analysen der Gesellschaft entstanden in den intellektuellen Freiräumen, die ab 1968 an den westdeutschen Universitäten erkämpft wurden, Gruppen wie die Homosexuelle Aktion Westberlin oder RotZSchwul in Frankfurt am Main.[14] Als in den 1980er Jahren die Aids-Krise zuschlug, spielten Wissenschaft und Forschung eine andere, aber ebenso wichtige Rolle. Dass es sich bei HIV/Aids nicht um eine göttliche Strafe, sondern um eine Infektion und deren Folgen handelte, war zwar allen außer den verbohrtesten Fundamentalist*innen klar. Doch es blieb ein langer Kampf, bis Politik und Wissenschaft für die Entwicklung und Zulassung lebenserhaltender Medikamente sorgten. Für viele Erkrankte war es da bereits zu spät. Die damals entstandenen Strukturen der Selbsthilfe und das Einfordern von Mitsprache durch die Betroffenen haben Gesundheitspolitik und -forschung aber dauerhaft zum Besseren verändert.

Daran wird insbesondere deutlich, dass Wissenschaft nicht unabhängig von gesellschaftlichen Machtverhältnissen agiert und damit auch selbst zum Ziel aktivistischen Kampfes werden kann. Auf die zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die zur Selbstreflexion des Aktivismus beitrugen und Emanzipationsbewegungen nachhaltig veränderten – wie die von Judith Butler und Eve Kosofsky Sedgwick –, können wir hier nur hinweisen.

Wissenschaftsfreiheit in Gefahr

Wie wirksam freie Wissenschaft als Instrument emanzipatorischer Politik sein kann, zeigt sich auch in der Härte, mit der ihre Feinde gegen sie vorgehen. Geschlechterforschung, Sozialwissenschaften und andere Disziplinen, die gesellschaftliche Strukturen kritisch hinterfragen, geraten in der Regel als erste ins Visier autoritärer Kräfte. Selbst wenn Viktor Orbán das erzwungene Aus für die ungarischen Gender Studies mit arbeitsmarktpolitischen Argumenten begründet,[15] steckt dahinter doch die Angst vor deren gesellschaftsveränderndem Potential. Ähnlich verhält es sich mit Jair Bolsonaros Kreuzzug gegen die angebliche „Gender-Ideologie“ an Brasiliens Schulen und Universitäten[16] oder Recep Tayyip Erdoğans Kampagne gegen unliebsame Wissenschaftler*innen.[17]

Mit der AfD sitzt nun auch in Deutschland eine Kraft in den Parlamenten, die die Finanzierung unliebsamer Disziplinen zusammenkürzen und sexualpädagogische Schulaufklärung abwickeln möchte. Gleichzeitig haben wir mit Anja Karliczek eine Wissenschaftsministerin, die ihre Haltung zu Regenbogenfamilien lieber auf ihre eigenen Vorurteile denn auf Tatsachen stützt, und einen Innenminister Horst Seehofer, der ein rückschrittliches Personenstands- und Transsexuellenrecht verteidigt, dessen Grundannahmen wissenschaftlich längst überholt sind. Umso wichtiger ist es, die Freiheit der Wissenschaft zu verteidigen – sei es gegen verkürzte Nützlichkeitsforderungen, sei es gegen gezielte, antipluralistische Anfeindungen. Nur dann kann sie dabei helfen, Diskriminierungen und Ausschlüsse sichtbar zu machen und selbstkritische Reflexion anzustoßen, die für eine demokratische, vielfältige Gesellschaft unerlässlich sind.

Mit seinem wissenschaftsgeleiteten Aktivismus wurde Magnus Hirschfeld sehr bald zum Ziel der NS-Ideologen und ihrer braunen Schlägerbanden. Für ihre Hetzschriften war er als linker, homosexueller Jude das ideale Feindbild, seine Aufklärungsveranstaltungen wurden gewaltsam gestört, und 1920 wurde er nach einem Vortrag in München so brutal zusammengeschlagen, dass die Zeitungen bereits seinen Nachruf druckten. Doch Hirschfeld überlebte und arbeitete unermüdlich weiter. Als sich die politische Lage in Deutschland aber immer weiter verfinsterte, kehrte er von einer Vortrags- und Forschungsreise im Ausland nicht mehr zurück. Aus dem Pariser Exil musste er 1933 mitansehen, wie sein Lebenswerk zerstört wurde: Wenige Monate nach der sogenannten Machtergreifung überfielen und verwüsteten nationalsozialistische Studenten das Institut. Rund 20 000 Bücher und Akten, 5 000 Fotografien und zahllose Ausstellungsstücke schleppten sie weg und vernichteten den Großteil vier Tage später bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz im Feuer.[18] Der wissenschaftliche Schatz war damit unwiederbringlich vernichtet.

Hirschfeld verstarb 1935 in Nizza und musste die schlimmsten Schreckensjahre der Nazi-Diktatur nicht mehr miterleben, in denen auch tausende Homosexuelle in Konzentrationslagern ermordet wurden. „Das unmoralische Deutschland gehört der Vergangenheit an“, schrieb der Hitler-Verehrer Michael Fry seinerzeit triumphierend: „Heute herrschen andere Zustände […] Das Institut für Sexualwissenschaft gibt es nicht mehr […] Sogar die Luft, die man atmet, ist reiner.“[19] Der Gedanke an diese „Reinheit“ lässt einen erschaudern – und muss zugleich weiter Mahnung und Auftrag sein. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar. Und Wissenschaft, Forschung und Liebe sind frei.


[1] Sigmund Freud, zitiert in: Manfred Herzer, Magnus Hirschfeld und seine Zeit, Berlin 2017. 
[2] Wir verwenden queer etwas vereinfacht im Sinne eines Sammelbegriffs für alle geschlechtlichen und sexuellen Identitäten, die von der gesellschaftlichen Normalitätsvorstellung abweichen und auf die Veränderung dieser Normen hinwirken. Die Verwendung aktueller Begriffe im historischen Kontext ist dabei natürlich nicht unproblematisch. 
[3] Vgl. Sabine Becker, Experiment Weimar. Eine Kulturgeschichte Deutschlands 1918-1933, Darmstadt 2018. 
[4] Vgl. Robert Beachy, Das andere Berlin. Die Erfindung der Homosexualität, München 2015. 
[5] Theodor Ramien, Sappho und Sokrates oder Wie erklärt sich die Liebe der Männer und Frauen zu Personen des eigenen Geschlechts?, Leipzig 1896, S. 8. 
[6] Gregory Woods, Homintern. How Gay Culture Liberated the Modern World, New Haven/London 2016, S. 142.
[7] Den heute nicht mehr gebräuchlichen Begriff „Transvestit“ führte Hirschfeld selbst ein. Er wurde bald zur Selbstbezeichnung von Personengruppen, die sich heute vermutlich als Trans*/Transgender oder Cross-Dresser bezeichnen würden.
[8] Herzer, Magnus Hirschfeld und seine Zeit, a.a.O., S. 290.
[9] Vgl. Sabine am Orde, Fortbildung für rechte Blogger, www.taz.de, 10.5.2019.
[10] Hier muss auch auf Hirschfelds Äußerungen zur Eugenik im Zusammenhang mit seinem Einsatz für reproduktive Rechte verwiesen werden, die ebenfalls einer historisch-kritischen Betrachtung unterzogen werden müssen, vgl. Heike Bauer, The Hirschfeld Archives. Violence, Death, and Modern Queer Culture, Philadelphia 2017, S. 8f.
 [11] Robert Beachy, Das andere Berlin, a.a.O., S. 284.
 [12] Herzer, Magnus Hirschfeld und seine Zeit, a.a.O., S. 294.
 [13] Martin Dannecker und Reimut Reiche, Der gewöhnliche Homosexuelle. Eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexualität in der Bundesrepublik, Frankfurt a. M. 1974.
[14] Vgl. Andreas Pretzel und Volker Weiß (Hrsg.), Rosa Radikale. Die Schwulenbewegung der 1970er Jahre. Hamburg 2017.
[15] Vgl. Gergely Márton, Aus Angst um den Mann, www.taz.de, 21.8.2018.
[16] Vgl. Thomas Milz, Bolsonaro will sogenannte „neutrale Schulen“, www.deutschlandfunk.de, 28.11.2018.
[17] Vgl. Anant Agarwal, „Nur wer 100 Prozent hinter der AKP steht, ist in Sicherheit“, www.zeit.de, 21.7.2016.
[18] Gregory Woods, Homintern, a.a.O., S. 146.
[19] Michael Fry, Hitler’s Wonderland, London 1934, zit. nach: Gregory Woods, Homintern, a.a.O., S. 203.

(aus: »Blätter« 7/2019, Seite 115-120)
Themen: Geschichte, Soziale Bewegungen und Wissenschaft

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