Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Christoph Fleischmann: Gottes Güter für alle. Die verdrängte Lehre der Reformation, S. 41-49

Zur 500. Wiederkehr der Reformation werden die Jubilare nicht müde, den emanzipatorischen Gehalt der lutherischen Gnadenlehre zu betonen. Eines fällt dabei jedoch zumeist unter den Tisch, so der Theologe Christoph Fleischmann: ihr revolutionärer ökonomischer Gehalt. Oft dominiere die pessimistische Anthropologie Martin Luthers, die in einer Linie mit dem Glauben an den gemeinwohlfördernden Eigennutz bei Adam Smith steht.

Ulrich Menzel: Das Ost-West-Konstrukt. Wie alte Grenzen neu gezogen werden, S. 51-62

Gut 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gewinnen die alten Ost-West- und Nord-Süd-Gegensätze wieder an Gewicht. Diese Grenzziehungen dienen der Definition des Eigenen und des Fremden sowie der Bildung geopolitischer Identitäten, schreibt der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel. Sie sind somit immer Konstrukte, ihr Verlauf und ihre Reichweite entsprechen den Interessen des jeweiligen Auftraggebers.

Birgit Mahnkopf und Elmar Altvater: Der begrenzte Planet und die Globalisierung des einen Prozent, S. 63-74

Nicht erst seit seiner Wahl postuliert Donald Trump eine protektionistisch-restriktive Grenzpolitik. Gleichzeitig wirkt das neoliberale Mantra uneingeschränkter Marktfreiheit ungebrochen fort. Das postulierte unbegrenzte Wachstum trifft jedoch auf die begrenzte Kapazität eines gebeutelten Planeten, so die Politikwissenschaftler Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf. Was am Ende bleibt, ist die wachsende Wut der Vielen, die den Wohlstand der Wenigen tragen.

Markus Wissen und Ulrich Brand: Unsere schöne imperiale Lebensweise. Wie das westliche Konsummodell den Planeten ruiniert, S. 75-82

Steigende Temperaturen und zunehmende Ressourcenkonflikte veranlassen immer mehr Menschen, sich auf den Weg nach Europa zu machen. Dort stoßen sie vielerorts auf eine Politik der Abschottung und Zurückweisung. Dabei ist es vor allem die imperiale Lebensweise des globalen Nordens, so die Politikwissenschaftler Markus Wissen und Ulrich Brand, die sich verschärfend auf den Klimawandel auswirkt, Ökosysteme vernichtet sowie zu sozialer Polarisierung und Verarmung führt.

Ingrid Kurz-Scherf: Marx contra Trump? Versuch einer feministischen Orientierung in gespenstischen Zeiten, S. 83-90

Mit dem Erfolg rechtspopulistischer Parteien erlebt auch die Arbeiterklasse ein Revival. Wenn aber die neue Rechte immer erfolgreicher um den Arbeiter wirbt, muss eine zukunftsfähige neue Linke dann wieder vom Kultur- zum Klassenkampf finden? Nein, antwortet die Politikwissenschaftlerin Ingrid Kurz-Scherf. Denn die soziale Frage dürfe keineswegs unabhängig von feministischer, anti-rassistischer und ökologischer Gesellschaftskritik gedacht werden.

Nancy Fraser: Who cares? Teil II. Die Ausbeutung der Sorgearbeit im neoliberalen Kapitalismus, S. 91-100

Das Alleinverdienermodell der Nachkriegszeit stützte sich auf den männlichen Ernährer und rassistische Hierarchien. Dagegen erscheint das neoliberale Modell des Doppelverdienerhaushalts zuweilen als progressiv, so die Sozialwissenschaftlerin Nancy Fraser. Dies beruht jedoch auf einem fundamentalen Irrtum, denn das heute herrschende Modell der Sorgearbeit untergräbt jeden emanzipatorischen Ansatz.

Charlotte Wiedemann: Iranische Paradoxien. Streifzüge durch ein uneindeutiges Land, S. 101-110

Wenn Mitte Mai im Iran gewählt wird, werden dem amtierenden Staatspräsidenten Hassan Rohani gute Chancen auf eine Wiederwahl eingeräumt. Gleichzeitig nehmen die Spannungen insbesondere gegenüber den USA merklich zu. Darüber gerät jedoch die iranische Gesellschaft aus dem Blick, so die Journalistin Charlotte Wiedemann. Dabei ist das Land weit vielschichtiger als der Westen wahrnimmt. Faktisch habe sich Iran längst zu einem theokratisch-demokratischen Hybridsystem eigener Art entwickelt, in dem subversiver Regelbruch alltägliche Praxis ist.

Markus Rieger-Ladich: Tagträume der Gesellschaft. Piper Chapman, Tony Soprano und Walter White als Zeitdiagnostiker, S. 111-120

Autorenserien wie „Orange is the New Black“ oder „Breaking Bad“ erfreuen sich derzeit größter Beliebtheit. Anders als im traditionellen Spielfilm begegnet der Zuschauer hier einem komplexen Tableau ambivalenter Figurentypen. Für den Erziehungswissenschaftler Markus Rieger-Ladich ist das neue Format jedoch weit mehr, nämlich Medium der Aufklärung. Die Ohnmacht der Akteure wie die Kontingenz der sozialen Verhältnisse entpuppen sich als Spiegel der Gesellschaft.

(aus: »Blätter« 5/2017, Seite 39-40)

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