Kurzgefasst | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Kurzgefasst

Eva Senghaas-Knobloch: Frieden von unten. Initiativen gegen Gewalt in Israel und Palästina, S. 39-48

Nicht erst der jüngste Krieg gegen den Gazastreifen hat gezeigt, wie dramatisch die Lage in Palästina ist. Vor allem die israelische Besatzungspolitik verhindert das würdevolle Zusammenleben beider Völker. Eva Senghaas-Knobloch, Professorin für Arbeitswissenschaft an der Universität Bremen, sieht dennoch Anzeichen einer Annäherung von unten – von israelischen Soldaten, die sich gegen die verordneten Schikanen wehren, bis zu palästinensischen Initiativen, die sich für Frieden und Dialog einsetzen.

Katajun Amirpur: »Islam gleich Gewalt«. Der fatale Gleichklang von Kriegern und Kritikern, S. 49-55

Während die Terrororganisation „Islamischer Staat“ weiter Angst und Schrecken verbreitet, ist für westliche Beobachter oft unklar, was diese konkret mit dem Islam verbindet – oder eben gerade nicht. Katajun Amirpur, Professorin für Islamische Studien und Mitherausgeberin der „Blätter“, vertritt die These, dass die Ideologie des IS die islamische Tradition völlig ignoriert. Die Gleichsetzung des Islam mit Gewalt – durch die Krieger und ihre Kritiker – zeuge von einem Fundamentalismus des Wortes.

Christoph Butterwegge: Armutsfalle Mindestlohn, S. 56-62

Zehn Jahre nach Einführung der Hartz-Reformen folgt nun endlich das, was deren Kritiker seit Langem fordern – der gesetzliche Mindestlohn. Doch wie wirksam ist dieser tatsächlich, um Armut zu bekämpfen? Christoph Butterwegge, Professor für Politikwissenschaft, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Der Niedriglohnsektor wird bloß auf höherem Niveau zementiert – durch zu viele Ausnahmen von einem ohnehin zu niedrigen Mindestlohn.

Wolfgang Streeck: Von der Gesellschaftssteuerung zur sozialen Kontrolle. Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Soziologie in Theorie und Praxis, S. 63-80

Zu Beginn ihrer Gründung galt die Soziologie als die Lehre von der Steuerung moderner Gesellschaften. Vom New Deal bis zum Progressive Movement sollten Gesellschaften mit Hilfe soziologischer Instrumente umgebaut und Konflikte dadurch gelöst werden. Wolfgang Streeck, langjähriger Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, kann diese Steuerungsmacht in der gegenwärtigen Soziologie nicht mehr erkennen. Stattdessen stellt er eine Entwicklung hin zu neuartigen Formen der sozialen Kontrolle fest – auf Basis hoch individualisierter digitaler Daten.

Sven Beckert: Der blutrote Faden. Das globale Baumwollimperium und die permanente Revolution des Kapitalismus, S. 81-92

Über ein Jahrhundert lang dominierte Europa den globalen Baumwollhandel. Doch seit Ende der 1960er Jahre hat sich diese Vormachtstellung in Richtung Asien verschoben. Sven Beckert, Professor für Geschichte an der Harvard University in Cambridge, zeichnet die Entwicklung des globalen Baumwollimperiums nach – vom Kriegs- zum Industriekapitalismus. Sein Fazit: Mit der asiatischen Dominanz haben sich dort jene ausbeuterischen Bedingungen von Sklaverei und Enteignung etabliert, die noch im 18. und 19. Jahrhundert in der europäischen Baumwollindustrie herrschten.

Gisela Burckhardt: Von Primark bis Hugo Boss: Geschäfte ohne Skrupel, S. 93-100

Ob Primark und H&M oder Tommy Hilfiger und Hugo Boss: Der private Konsum von Kleidung, egal ob billig oder teuer, ist rapide gestiegen. Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET e.V., nimmt die Arbeitsbedingungen in Asien und speziell in Bangladesch unter die Lupe. Ihr Befund: Nicht allein die klassischen Billiganbieter, sondern auch Luxusmarken wie Hugo Boss zeichnen sich durch die Ausbeutung ihrer Arbeiterinnen aus.

Karl-Martin Hentschel: IKEA: Zahlst Du noch oder hinterziehst Du schon?, S. 101-108

IKEA präsentiert sich gern als sozial engagiertes Unternehmen. Doch das ist nur die helle, öffentliche Seite. Der Ökologieexperte Karl-Martin Hentschel blickt hinter die Kulissen des Milliardenkonzerns. Sein Fazit: IKEA beutet nicht „nur“ seine Arbeiter aus und verstößt gegen Umweltauflagen, sondern „umgeht“ auch Steuern in einem noch nie da gewesenen Ausmaß.

Jan M. Piskorski: Vom Heldenkult zur Opferverehrung. Zum Wandel der Erinnerungskultur, S. 109-120

Seit Menschen existieren, gedenken sie ihrer Helden. Doch Jan M. Piskorski, Professor für Vergleichende Geschichte Europas an der Universität Stettin, stellt einen fundamentalen Wandel fest – weg von der Helden- hin zur Opferverehrung. Nicht zuletzt durch den Holocaust etabliert sich diese Verehrung der Opfer als eigenständige Erinnerungskultur.

(aus: »Blätter« 1/2015, Seite 37-38)

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